LK Zug Handball setzt auf Verletzungsprophylaxe. Dafür organisiert der Verein nun einen Workshop.

Wenn Christoph Sahli über Verletzungen im Handballsport zu reden beginnt, spürt man sehr schnell: Der Cheftrainer des LK-Zug-SPL1-Teams beschäftigt sich intensiv mit diesem Thema. Er sagt: «Ein hoher Prozentsatz der Blessuren ohne Körperkontakt ist mit der richtigen Prophylaxe reduzierbar.» Diese Erfahrungen will der LKZ-Trainer nun weitergeben. Deshalb hat er gemeinsam mit Athletiktrainer Jonas Müller für Trainerkollegen, Athleten sowie Betreuer einen Workshop «Athletik und Verletzungsprophylaxe im Handball» organisiert. Dieser findet heute im Lucerne Functional Fitness im Littauerboden statt.

Dem Thema Athletik/Belastung werde in der Schweiz ganz generell viel zu wenig Beachtung geschenkt, erklärt Sahli weiter. «Es wird zwar vielerorts etwas gemacht, oft dienen die Aktivitäten aber nicht wirklich der effizienten Trainingssteuerung. So kommt es vor, dass Spielerinnen und Spieler Trainingsprogramme ohne Belastungssteuerung absolvieren oder sie machen einfach immer wieder dasselbe und reizen damit die Möglichkeiten nicht aus.»

Athletenmanagement hat grossen Stellenwert

Bei seinen Ausführungen greift Sahli auf eine Verletzungspyramide als «Werkzeug». Sie zeige nur in der Spitze auf Glück oder Pech hin. Bis man dort angelangt sei, gebe es viele Faktoren, die man beeinflussen könne.

Der LKZ-Headcoach vergleicht die Puzzleteile, die sich beim Thema «Verletzungen vorzubeugen» vereinen sollten, mit einem Kuchen. Zu den Einzelstücken gehört beispielsweise die Belastungssteuerung, also die Planung des Trainings, dessen Auswirkung und die entsprechende Regeneration davon. «Eine Spielerin besser zu machen, ist das eine, eine Spielerin möglichst gesund zu halten, das andere.» Was sie dazu benötige, sei individuell, denn jede ist anders. So zielt Sahlis Philosophie darauf, «dass es im Handballsport ein gewisses Mass an Individualität braucht». Und daher misst er dem Athletenmanagement grossen Stellenwert bei.

Sahli steigt als Chef des SPL1-Teams in seine dritte Saison. Zuvor stellte er unter anderem bei seinem Vorgänger Damian Gwerder das Athletikprogramm zusammen. «Da durfte ich mir viel Know-how aneignen, konnte sehen, was in der Praxis funktioniert und was nicht.» Seit zwei Jahren hat Jonas Müller diesen Part beim LKZ übernommen. In den letzten beiden Spielzeiten hätten sie wenig schwere Verletzungen ohne Körperkontakt gehabt, so der Headcoach. Das hat auch damit zu tun, dass er und Müller für die Spielerinnen eine digitale Trainingsplattform installierten. Im athletischen Bereich verfügen die Spielerinnen – neben einem für alle gleichen Basisprogramm – über individuelle Pläne. Über eine App halten sie ihre jeweiligen Leistungen fest. Dabei hat der Staff die Möglichkeit, die Belastung bei jeder Einzelnen sehr genau zu steuern und zu überprüfen. Ein wichtiges Element in diesem Zusammenhang sei die Regeneration, sagt Athletiktrainer Müller.

Verletzungsrisiko mit Fitness minimieren

Wie sehr beim LK Zug der Fokus auf dem Athletik-/Kraftbereich liegt, zeigt, dass während der Vorbereitung drei, im Meisterschaftsmodus zwei wöchentliche Einheiten explizit hierfür reserviert sind. Zudem misst jede Spielerin bei den Trainingseinheiten mittels Uhr ihre Herzfrequenz, die sie am Trainingsende ebenfalls in den Datenspeicher übermittelt. Beim Training mit Ball wird dem Aspekt der Athletik nur noch integrativ im Warm-up oder am Ende in Form von Tempogegenstosstraining Rechnung getragen. Bei der Arbeit mit dem Ball liegt der Fokus auf der Qualität des Handballspiels.

«Mein Anspruch ist es», erklärt LKZ-Coach Sahli, «bei technischen und taktischen Elementen eine für unser Spielsystem möglichst intensive, matchähnliche Intensität zu erreichen.» Das ganze System sei ein Prozess gewesen. «Mittlerweile hat sich diese Kultur installiert.» Und mit der entsprechenden Fitness minimiere man auch das Verletzungsrisiko, ist er überzeugt.

Ernesto Piazza