Die 24-jährige Handballerin vom LK Zug befindet sich seit fast zwei Jahren im Rehabilitationstraining. Wie geht sie mental damit um?

 

«Ich kann mich noch genau erinnern. Da waren ein Geräusch und ein Schmerz, die ich kan­nte. Im Unterbewusstsein wusste ich, was es war.» Shanice Kägi schildert anschaulich, wie sie den Moment erlebte, als sie einen Kreuzbandriss erlitt.

 

«Im Unterbewusstsein wusste ich, was es war. Man hofft natürlich, dass es etwas ist, was weniger schlimm ist. Doch meine Vermutungen hatten sich dann beim Arzt bestätigt. Leider.»

 

Am 13.Mai 2019 verletzte sich die heute 24-Jährige im Training mit dem LK Zug, in der Vorbereitungsphase auf die nächste Saison also. Es war bereits das zweite Mal, dass sie diese körperlichen und seelischen Schmerzen erfuhr. Fast auf den gleichen Tag, am 2.Mai 2018, hatte sie sich schon einmal das Kreuzband gerissen, wiederum in einem Training. Das Verdikt nach dieser Albtraumverletzung für Sportler ist klar: eine Pause vom 9 bis 12 Monaten. «Plötzlich nicht mehr Handball spielen zu können, war unvorstellbar für mich. Es wurde mir etwas genommen.» 

Seit zwei Jahren bestritt sie daher keine Ernstkämpfe mehr. «Das ist nicht einfach für eine Sportlerin meines Alters. Du stehst mitten im Leben, bist voller Tatendrang und Energie, dann passieren dir zwei solche Verletzungen. Ich wurde plötzlich aus dem Mannschaftssport herausgerissen und bin sozusagen seit zwei Jahren eine Einzelkämpferin, was eine neue Situation für mich ergab und nicht einfach zu bewältigen war», schildert sie ihre Gedanken. «Die Frage, warum es mich schon wieder trifft, stellte ich mir anfangs immer wieder. Doch ich lernte, damit zu leben und nicht zu hadern. Es bringt nichts, denn es wirft dich zurück», sagt Kägi, um schliesslich das Positive herauszustreichen: «Die beiden Kreuzbandrisse haben mich persönlich noch stärker gemacht.»

Wichtig bei diesem Prozess sind das soziale Umfeld, die Familie, der Freund, das berufliche Umfeld und auch der LK Zug. «Dass ich weiterhin ein Teil der Mannschaft bin, ist sehr wichtig für mich. Diese Stützen braucht man in dieser Zeit. Sie geben dir Kraft, Motivation und Energie, wieder aufzustehen.» Shanice Kägi, die in Hombrechtikon wohnt und als Teamassistentin arbeitet, schaut jedes Spiel der SPL1-Mannschaft und hilft, wo sie gebraucht wird. «Das Gefühl zu haben, dabei zu sein, ist das A und O.» Allerdings sei es nicht leicht, die Matches als Zuschauerin zu verfolgen.

 

«Ich bin von Natur aus sehr ungeduldig. Das Leiden auf der Tribüne ist eine Situation, die mich manchmal völlig auffrisst. Es ist schlimm, wenn man nichts machen kann.»

 

Derzeit kämpft sich Kägi also einmal mehr zurück in das Team. Das Wochenprogramm ist umfangreich: Physiotherapien inklusive Kraft- und Ausdauertraining in der sportmedizinischen Abteilung der Schulthess Klinik in Zürich, Trainings mit dem SPL1-Team des LK Zug sowie schwimmen sind vorgesehen. «Ich arbeite an meinem Comeback. Wann ich auf das Handballfeld zurückkehre, weiss ich nicht. Momentan kann ich im Training bei Passübungen mitmachen und die Torhüterinnen einschiessen.»

 

Kägi sieht Chancen auf den Meistertitel

 

Wie nimmt sie ihr Team in der laufenden Saison wahr? Wird Zug Meister? «Wir wollen wieder einmal einen Titel bejubeln. Mit Brühl und den Spono Eagles haben wir natürlich eine starke Konkurrenz. Doch ich weiss, wozu das Team fähig ist.» Manchmal würde sich die Mannschaft zwar selber im Weg stehen. «Aber wenn wir 60 Minuten unsere Stärken abrufen, unser Spiel machen, ist der Titel möglich.» Im jüngsten Spiel gegen den Leader Brühl am Sonntag hat der LKZ wieder sein bestes Gesicht gezeigt und 27:24 gesiegt. «Vieles entscheidet sich im Kopf. Im Spiel gegen die Ostschweizerinnen waren wir mental bereit und das Kollektiv war überragend», fasst Kägi die Partie zusammen.

Was sagt der Zuger Trainer Christoph Sahli über Shanice Kägi? «Sie war auf dem Weg, eine sehr gute SPL1-Spielerin zu werden, hatte aber schon immer mit Verletzungen zu kämpfen und wurde so leider oft wieder auf ihrem Weg gestoppt.» Den ersten Kreuzbandriss habe sie erlitten, «gerade als sie sich zu stabilisieren begann. Ich hoffe, dass dieses Mal der Aufbau gelingt und sie endlich den Weg zurück auf das Spielfeld findet.» Sahli zieht den Hut vor der Leidensfähigkeit Kägis. «Ich bewundere, dass sie nach all diesen Rückschlägen weiter hartnäckig ihre Ziele verfolgt. Das ist ein schönes Beispiel für viele andere Spielerinnen, die sich in der gleichen Situation befinden. Sie erkennen, dass es doch weiter gehen kann, wenn man nur daran glaubt.»