Marion OrtDer LK Zug braucht heute im zweiten Spiel des Playoff-Finals einen Sieg, sonst geht die Saison ohne Titel zu Ende. Goalie Marion Ort sagt, was anders laufen muss. Und wie sie sich auf den Showdown vorbereitet.

«Es tut nach wie vor weh. Wir haben uns ein Jahr lang auf dieses Highlight vorbereitet. Und dann können wir vor allem im Angriff nicht zeigen, was wir draufhaben.» Zugs Torhüterin Marion Ort schaut noch immer etwas ungläubig auf den letzten Samstag und das erste Spiel im Playoff-Final gegen den LC Brühl zurück. 18:19 verloren die Zugerinnen am Ende, ein Ergebnis, das so gar nicht zum gewohnten Auftreten der Zugerinnen passt.

Im Schnitt erzielten sie in dieser Saison nämlich über 33 Treffer, bis zum Final waren 22 Tore das Minimum in einer Partie. Und dann kommt es ausgerechnet im bisher wichtigsten Spiel zu einer offensiven Bankrotterklärung. Weshalb? «Wir waren zu ungestüm, vielleicht wollten wir es zu gut machen», sagt Ort. Und der Trainer Christoph Sahli erklärt: «Ein paar unnötige Fehler lösten Unsicherheit aus. Wir verloren den Fokus, nahmen das Tempo aus dem Spiel. Und ohne Tempo funktionieren wir nicht.»

«Ohne Tempo funktionieren wir nicht!»

Christoph Sahli | Trainer LK Zug Handball

Sahli ist aber zuversichtlich, dass heute im zweiten Finalspiel in der heimischen Sporthalle (19.30 Uhr) eine Reaktion erfolgen wird: «Der Titel rückt vorderhand in den Hintergrund. Jetzt geht es darum, dass wir am kommenden Samstag nochmals Handball spielen können.» Verliert Zug heute erneut, ist Brühl Meister. Gewinnt Zug, kommt es am Samstag in St.Gallen zum grossen Showdown. «Wir müssen mehr Kapital aus unserer Deckung mit dem hervorragenden Goalie schlagen», fordert der Trainer.

Goalie will sich mit Meistertitel verabschieden

Der Goalie, das ist wie gesagt Marion Ort. Und sie hatte am letzten Samstag tatsächlich einen starken Auftritt. Dabei sass sie zu Beginn nur auf der Bank, in der Startformation stand Laura Innes, die nach einer langen Verletzungspause zurückgekehrt war. Innes fand allerdings nicht ins Spiel, nach einer Viertelstunde kam Ort aufs Feld und erlebte gleich einen Schlüsselmoment. «Der Ball traf nach einem Penalty meine Stirn und flog von da ins Tor. Solche Dinge pushen mich extrem.», erzählt Ort und lacht.

In der Folge setzte sie den Ärger in positive Energie um. «Ich konnte einen Schlenzwurf von Kerstin Kündig halten. Ich kam in einen Lauf, hatte genug Vertrauen, um länger mit einer Reaktion zu warten, und traf die richtigen Entscheidungen.» Am Ende liess sich die 25-jährige Aargauerin aus Suhr eine Abwehrquote von 48 Prozent notieren. «Sensationell», schwärmt Trainer Sahli – im Wissen, dass die Zuger Goalies bisher eine eher schwierige Saison hatten. «Es war ein Auf und Ab, keine hat sich hervorgetan. Seit Januar hat Ort aber aufgedreht. In St.Gallen spielte sie das, was wir uns von ihr erhoffen.»

Geht es nach Ort, will sie heute den Gegner wieder auf ähnliche Weise zur Verzweiflung bringen. Nicht, weil sie im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen muss, «ich fühle mich pudelwohl, wenn ich im Hintergrund wirken kann». Mit einem erfolgreichen Saison-Finish könnte sie aber ihren Teil dazu beitragen, dass die vierjährige Titellosigkeit des LKZ ein Ende findet. Und dass sie selber zu ihrem perfekten Abschied aus der Zentralschweiz kommt. Ende Saison nämlich wird Ort den LKZ nach zwei Spielzeiten verlassen und sportlich kürzertreten – «aus beruflichen Gründen und schweren Herzens», wie sie sagt. Ort hat sich einen Bachelor in pharmazeutischen Wissenschaften und einen Master in Medikamentenlehre erarbeitet. Nach einem Praktikum winkt ihr im Sommer eine Vertragsverlängerung bei einem Pharmaunternehmen in Allschwil bei Basel, wobei sie gleichzeitig berufsbegleitend doktorieren könne. «Diese Chance muss ich nutzen. Das Zusammenspiel zwischen Biologie und Chemie ist wahnsinnig faszinierend.» Voraussichtlich wird sie künftig in der Forschung tätig sein und Studien über neue Wirkstoffe planen und koordinieren.

Orts Rezept für den LK Zug

Bleibt die Frage, welches Mittelchen sie vor dem zweiten Finalspiel gegen Brühl dem LKZ verschreiben würde. «Kaffee und Kuchen», antwortet sie lachend. Sie selber werde sich jedenfalls auf diese Weise einstimmen – so wie sie es immer tut, wenn sie mit den Teamkolleginnen Ria Estermann und Chantal Wegmüller im Zug anreist. «Dann wollen wir uns ein Herz fassen, unerschrocken und voller Elan ins Spiel steigen.» Schliesslich soll Zug wieder jenes Gesicht zeigen, dass man von ihm gewohnt ist.

SPL 1 Playoff-Final (best of 3). 2. Spiel: LK Zug –LC Brühl (heute 19.30, Sporthalle Herti); Stand: 0:1. – evtl. 3. Spiel: LC Brühl – LK Zug (Sa 17.30, Kreuzbleiche).