Während 40 Jahren war Urs Rinderli (58) als Trainer bei verschiedenen Handballvereinen engagiert. Vor wenigen Wochen ist er zurückgetreten. An weiteren Leidenschaften mangelt es ihm nicht.

(Michael Wyss) «Es war eine wunderbare Zeit. Ich durfte neue Menschen kennen lernen, es blieben Freundschaften fürs Leben», zeigte sich Urs Rinderli dieser Tage emotional. Nach 40 Jahren als Handballtrainer – während 12 Jahren war er zudem parallel Spieler – kann er erstmals einen Sommer ohne Gedanken an die Saisonvorbereitung geniessen: Er ist nach der vergangenen Spielzeit zurückgetreten.

«Irgendeinmal kommt der Tag X, wo man sich über die Zukunft Gedanken macht. Es war eine intensive Zeit, in der ich auf viele Hobbys verzichten musste. Nun freue ich mich, dass ich wieder mehr Zeit für mich und meine Familie habe und einmal an einem Wochenende etwas unternehmen kann», sagt der Stadtzuger. Zu seinen Leidenschaften zählt das Töfffahren, Tennisspielen, das Wandern und das Skifahren. «Es gibt sicher auch noch den einen oder anderen Bildungskurs, den ich gerne besuchen möchte. Auch Fremdsprachen interessieren mich.»


Rücktritt nach Jubiläumssaison

Von seiner langen Zeit im Handball war Rinderli selbst überrascht. «Ich habe meine Stationen als Spieler und Trainer immer auf einem A4-Blatt festgehalten. Letzte Saison habe ich nicht schlecht gestaunt, als ich die Spielzeit 2017/18 nachfasste. Die letzte Meisterschaft war sage und schreibe meine 40. Saison als Trainer.» Gibt es ein schöneres Ende, als die Karriere als Trainer mit einem Jubiläum zu beenden? «Nein, das ist schon speziell, so aufzuhören.» Zuletzt trainierte er die erste Frauenmannschaft von Uster in der 1. Liga.

Zum Handball fand Rinderli durch seinen Bruder Herbert, der bereits im LKZ gespielt hatte. Urs Rinderli begann als Spieler in seinem Stammverein LK Zug, als Aktiver spielte er in der 2. Liga. «Unter anderem spielte ich im Nachwuchs mit Marco Rima zusammen. Er hatte schon damals immer ‹s’Chalb gmacht›», erinnert sich Rinderli lachend. Unvergesslich war für ihn die Spielzeit 1987/88, als er als Trainer mit dem Frauenteam von Rex Zürich in der NLA den vierten Rang erreichte. Zu seinen schönsten Zeiten gehört für Rinderli, der seinen Lebensunterhalt als Hauswart beim Schulhaus Kirchbühl in Cham verdient, die beim LKZ. Als Trainer leistete er Anfang 2000 während vieler Jahre Aufbauarbeit im Nachwuchs. «Heute bin ich sehr stolz, wenn ich sehe, was entstanden ist. Der LKZ geniesst grosses Ansehen im Schweizer Frauen-Handball.» Das stimmt: Es vergeht praktisch keine Spielzeit ohne eine Medaille an einer Schweizer Meisterschaft bei den Elite-Juniorinnen.

«Ich kann mich noch genau erinnern, als mich der heutige LKZ-Sportchef Peter Stutz fragte, ob ich im Nachwuchs mithelfen möchte. Im ersten Training stand ich zuerst einmal mit drei Mädchen im Training – ich begann sozusagen bei null.» Später organisierten Urs Rinderli und seine Frau Corinne Camps und machten an Schulen Werbung für den Frauenhandball.


Grosse Liebe dank Handball

Dank des Handballs fand Rinderli auch seine grosse Liebe. «Meine Frau Corinne, die während vieler Jahre eine Chrampferin im Verein war, lernte ich im LK Zug kennen. Später war ich bei Rex Zürich und Borba Luzern sogar einmal ihr Trainer» Wie erlebte Corinne Rinderli ihren heutigen Ehemann all über Jahre? «Er war sehr hartnäckig, sozial, ehrgeizig, zielstrebig und emotional. Urs lebte mit und für den Handballsport. Er hat viel dafür investiert und grosse Leidenschaft mitgebracht. Er war da, wenn man ihn um Hilfe bat. Er hatte immer ein offenes Ohr.» Verdienterweise wurde Urs und Corinne Rinderli die Ehrenmitgliedschaft des LKZ verliehen. Auch Rinderlis Töchter Michelle (25) und Denise (23) fanden den Weg zum Handball und spielten einst bei den Zugerinnen.

Wie sieht der «freie» Urs Rinderli der kommenden Handballsaison entgegen? «Ich freue mich auf die Spiele, die ich ohne jeglichen Druck und aus einer anderen Perspektive besuchen und erleben kann.»