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«Es braucht mehr junge Frauen, die Handball als Chance sehen»

Gilles Mercier | Zuger Zeitung
27 Juli 2022
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LK Zug-Trainer Damian Gwerder über die Ziele für die neue Saison und die Entwicklungen im Handball der Frauen.

Vor knapp zwei Monaten war die Enttäuschung gross: Der LK Zug verspielte im Playoff-Final zwei Matchbälle und verlor die Finalissima zu Hause gegen die Spono Eagles Nottwil mit 31:37. Als Trost blieb nur der Cupsieg, den man zuvor gegen Spono im Penaltyschiessen gewonnen hatte. In einem knappen Monat haben die Zugerinnen im Supercup (Gümligen, 21. August) die Chance auf Revanche. LKZ-Trainer Damian Gwerder (58) erzählt, was im Hinblick auf die nächste Saison ansteht.

Sie sind eben erst aus den Ferien zurückgekehrt. Trotzdem sollten wir schon auf nächste Saison schauen. Konkret, was sind Ihre Ziele für die Meisterschaft, die Anfang September beginnt?

Damian Gwerder: Aufgrund des guten Abschneidens bei der U20-WM war ich noch nicht in der Lage, mit dem LK Zug zu trainieren. Als amtierender Cupsieger und Vize-Schweizer-Meister wollen wir natürlich wieder dorthin, wo wir letztes Jahr waren. Ich muss das noch mit dem Team anschauen, aber unser Ziel wird sicher nicht sein, Dritter oder Vierter zu werden.

Was ist das Ziel auf der internationalen Bühne?

Wir haben international keine Ziele. Es gibt viele Teams, gegen die wir keine Chance haben werden, darum ist es eher eine lehrreiche Erfahrung, auf internationaler Ebene spielen zu können, die wir den Spielerinnen bieten können.

Sie waren vier Jahre lang der U20-Frauen-Nationaltrainer, jetzt sind Sie nach der WM in Slowenien zurückgetreten. Bedeutet das, dass Sie länger beim LKZ bleiben werden?

Ich werde ein wenig mehr Zeit in den LK Zug investieren, die meiste Zeit werde ich aber privat verwenden, da sind wir in den letzten Jahren auf Sparflamme gefahren. Ich muss auf mich selbst und meinen Körper hören, wie viel Belastung ich auf mich nehmen kann.

Die erste WM-Teilnahme seit Jahren sowie der achte Schlussrang waren mehr als nur Achtungserfolge der U20-Nati. Wollen Sie sich auf dem Höhepunkt verabschieden? Ist mehr gar nicht möglich?

Das konnte ich nicht voraussehen, ich habe schon im Januar meinen Rücktritt vorbereitet. Ich denke nicht, dass ich als U20-Trainer zurückkehren werde, aber eben, «sag niemals nie». Es waren sehr viele Reisen und Trainings mit der Nati und momentan kommt mir die zusätzliche Zeit gut gelegen, aber ich möchte eine Rückkehr nicht ausschliessen.

Sie sind seit Jahren stark im Schweizer Frauenhandball involviert. Wie erleben Sie seine Entwicklung?

Man trainiert heute viel mehr, als vor etwa 15 Jahren, als ich angefangen habe. Man legt viel mehr Wert auf die Athletik, Schnelligkeit, Passqualität, Abschlussqualität, Täuschungsqualität und das technische Spiel. Das ist zwingend notwendig, will man international mit anderen Ländern mithalten können.

Wohin wird diese Entwicklung noch führen?

Wir brauchen noch eine grössere Basis im Breitensport, damit wir im Leistungssport darauf aufbauen können. Es braucht mehr Mädchen und junge Frauen, die Handball als Karrierechance sehen und bereit sind, damit ihr Geld zu verdienen. Wir brauchen auch mehr Frauen, die ins Ausland gehen, um sich bei besseren Vereinen weiterzuentwickeln, dafür ist die Schweizer Liga nicht geeignet.

Trotz der positiven Entwicklungen: In der Schweizer Frauenliga wurde diese Saison nur eine Mannschaft von einer Frau trainiert. Wieso gibt es so wenige Trainerinnen auf höchstem Niveau?

Spielerinnen, die jahrelang auf höchstem Niveau Handball spielen, möchten nach der Karriere vielfach etwas Anderes machen und nicht auf die Karte Handball setzen, da im Frauenhandball nicht viel Geld zu holen ist. Wir müssen das attraktiver machen, dass sich den Frauen die Möglichkeit bietet, reduziert zu arbeiten und nebenbei als Handballtrainerin Geld zu verdienen. Das ist momentan nicht möglich, das muss unbedingt Einzug halten. Ausserdem ist es so, dass Frauen nach der Karriere meist an die Familienplanung denken, da liegt ein Job als Trainerin nicht auch noch drin.

Sie waren extrem erfolgreich in Ihrer Trainerkarriere, was ist Ihr Erfolgsrezept als Handballtrainer?

Wenn ich mein Erfolgsrezept preisgebe, wird das nachher überall kopiert (lacht). Nein, ich kann das hier schon sagen. Ich versuche immer, authentisch zu sein. Ich glaube auch, dass es in den Trainings viel Spass braucht. Es braucht viel Tüftelei, ich schaue jeweils, was andere Teams so machen und versuche, daraus zu lernen, da habe ich mir auch jetzt in den Ferien einige Spiele angeschaut. Ich versuche einen Mix zwischen Spass und Leistungsförderung umzusetzen, das ist mir die letzten Jahre gar nicht so schlecht gelungen.

Warum sind Sie ausgerechnet zu Zug zurückgekehrt?

Der LK Zug ist für mich eine Herzensangelegenheit, die Organisation macht extrem viel für die Frauen und auch für den Nachwuchs. Ich habe viel Spass daran, mit den Nachwuchsteams zu arbeiten, das muss nicht immer im Rampenlicht sein. Eigentlich war ich nie ganz weg vom LK Zug, ich habe immer im Nachwuchs etwas getan. Beim Angebot habe ich dann zugesagt, obwohl ich schon sonst viel zu tun habe. Aber es liegt mir am Herzen, da konnte ich nicht ablehnen. Es hat sich gelohnt, wir waren sehr erfolgreich.

Bleiben wir beim LK Zug, wie haben Sie die verlorene Finalissima verkraftet?

Der Stolz überwiegt, trotzdem reut es uns, dass wir im vierten Spiel den Sack nicht gleich zugemacht haben. Man darf nicht vergessen, dass wir ohne die Topskorerin in die Serie gestartet sind und viel Verletzungspech hatten. Wir können stolz auf uns sein, unter diesen Umständen mit jungen Spielerinnen fast Meister geworden zu sein.

Woran hat es gelegen, dass am Ende die Spono Eagles aus Nottwil den Final knapp gewonnen haben?

Wir waren mit Spono immer auf Augenhöhe, ich sehe da keinen Leistungsunterschied. Ob ein Team einen Penalty trifft oder nicht, hängt nicht gross mit dem generellen Niveau zusammen. Sozusagen haben wir uns mit Spono die Titel geteilt, da dürfen wir sicher zufrieden sein.

Zum Schluss noch eine andere Frage: Was waren ihre schönsten Erlebnisse im Handball?

1982 wurden wir mit dem KTV Muotathal Juniorenmeister, das war ein «geiles» Erlebnis. Der Aufstieg in die Nati-B als Spieler mit Muotathal war auch sehr schön. Etwas ganz Besonderes sind für mich die Meistertitel und Cupsiege mit dem LK Zug, da erinnere ich mich gerne daran. Als Nati-Trainer durfte ich auch viele schöne Momente erleben, zuletzt der 8. Rang an der U20-WM. Natürlich gehören auch die vielen kleinen Momente dazu, die ich nie vergessen werde. Ich finde es schön, zu sehen, wie sich meine Schützlinge weiterentwickeln. Es macht mir viel Freude, ihnen helfen zu können und zu sehen, wie sie sich dank der Trainings entwickeln. Es erfüllt mich, von früheren Spielerinnen und Spielern zu hören, wenn sie sagen, dass sie vom Handball etwas fürs Leben gelernt haben.

Geschäftsstelle

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