Akribischer und ambitionierter Lehrmeister: Christoph Sahli, Trainer LK Zug.Bild: Matthias Jurt (Zug, 1. Mai 2021)

SPL1: «Eine motivierende Herausforderung»

Interview: Ernesto Piazza
18 Juni 2021
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Doublegewinner LK Zug steht vor personellen Veränderungen. Doch Trainer Christoph Sahli lässt sich nicht unter Druck setzen.

Rund drei Wochen sind seit dem Gewinn des Schweizer-Meister-Titels vergangen. Was ist davon noch präsent?

Christoph Sahli: Die vielen positiven Eindrücke, die grossen Emotionen sind geblieben. Aber auch die Erinnerung an die harte Arbeit, bis nicht nur dieser Meistertitel Tatsache war, wir schafften ja auch noch den Cup-Sieg und damit das Double. Ich stellte mir oft auch die Frage: Wie haben wir das erreicht? Worin lag der Unterschied zu den anderen Teams?

Und zu welchen Antworten sind Sie gekommen?

Wir haben uns stets auf unseren Weg fokussiert und haben uns auch nicht davon abbringen lassen, als es dann und wann etwas holprig lief, als wir uns zwischenzeitlich auch mal in Quarantäne begeben mussten. In der entscheidenden Phase haben wir uns auf einige wenige Sachen beschränkt, diese versuchten wir möglichst gut zu machen.

Was waren die wichtigsten Bausteine des Erfolgs?

Wir verfügten über eine qualitative Breite und schafften es, unser Niveau auch in den wichtigen Phasen der Begegnungen auf einem guten Level zu halten. Die Mannschaft hat verstanden, wie wir spielen wollen und dass es dabei sekundär ist, wer in diesem Moment diese Rolle ausfüllt.

Gab es für Sie einen Schlüsselmoment?

Für mich waren zwei Momente ganz prägend und entscheidend. Zum einen die ersten 40 Minuten im ersten Playoff-Halbfinal gegen die Spono Eagles. Da erlebte ich einen Wow-Effekt. Weil ich spürte, das Team will diesen Erfolg unbedingt. Und zum andern das erste Finalspiel gegen Brühl. Als wir fünf Minuten vor Schluss mit drei Toren hinten lagen, aber noch die Verlängerung erreichten und gewannen. In diesen Momenten sind wir erstaunlich cool geblieben.

Mit Blick auf die neue Saison verliert der LK Zug viel Sub­stanz. Charlotte Kähr wechselt in die Deutsche Bundesliga, Dimitra Hess zu Ligakonkurrent Brühl, Simona Cavallari ist zurückgetreten. Hadert man als Trainer in solchen Situationen?

Nein, absolut nicht. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Veränderungen im Kader. Damit muss man als Trainer leben. Dass «Charlie» beispielsweise nach Buxtehude gehen kann, zeigt ja, dass wir offenbar einiges richtig gemacht haben. Wobei ich natürlich auch sage: Ich hätte gerne noch ein, zwei Saisons in dieser Konstellation gespielt – und vom Frauenhandball ein Zeichen aus der Schweiz nach Europa geschickt.

Nun kommt es im Kader zu einem Umbruch. Wie gehen Sie ihn an?

Ich betrachte es als eine megaspannende und motivierende Herausforderung – und bin dafür bereit und 200-prozentig motiviert. Im ganzen Verein wird sehr akribisch gearbeitet, die Professionalisierung vor allem durch die Zusammenarbeit mit dem OYM und der Talent Impact AG (siehe unten) sukzessive vorangetrieben. Und wenn man bedenkt, dass der LK Zug bei den U14, U16 und U18 – und somit bei allen Eliteteams – auch noch Schweizer Meister wurde, stimmt das für die Zukunft sehr hoffnungsvoll. Diese Titel waren zwar nicht so geplant, aber man sieht: Die Arbeit trägt Früchte. Aus diesem Reservoir von Spielerinnen wird letztlich auch das SPL1-Team einmal profitieren.

Wann startet der LKZ zur Mission Titelverteidigung?

Beim Thema Titelverteidigung lassen wir uns nicht unter Druck setzen. Brühl rüstet kräftig auf und ist für mich der ganz klare Favorit. Wir wissen, was wir wollen, legen aber nun erst mal das Fundament dazu. Wir haben diese Woche wieder mit dem Training begonnen, und zwar vor allem im technischen und athletischen Bereich und nicht im Vollgasmodus. Die letzte Saison hat Spuren hinterlassen, viel Substanz gekostet.

Gibt es aktuell noch Veränderungen im Kader?

Torhüterin Anezka Zuzanek kehrt nach Tschechien zurück. An ihrer Stelle lassen wir die U18-Elite-Keeperin Dominique Huber bei uns reinschnuppern. Dass Sibylle Scherer nach ihrer Knieverletzung es nochmals wissen will, dafür sieht es gut aus. Weiter rückt Svenja Steinmann als rechter Flügel in den SPL1-Kader.

Was darf man vom LK Zug Ausgabe 2021/22 erwarten?

Dass wir uns weiter auf die Entwicklung konzentrieren, hart arbeiten und mit der Einstellung in jedes Spiel gehen, es unbedingt auch gewinnen zu wollen, ohne dass wir es müssen. Der Verein wird die eine oder andere Schraube weiter justieren, wir ruhen uns keinesfalls auf den Erfolgen aus. Und als Team versuchen wir, den Groove, der uns so weit gebracht hat, wieder mitzunehmen und weiter zu verbessern. Dann schauen wir, was rauskommt.

LK Zug treibt Spitzensport voran

Die neu gegründete Talent Impact AG macht es möglich: Mit ihr erhalten Handballerinnen beim LK Zug die Möglichkeit, Spitzensport zu betreiben. In Zusammenarbeit mit dem OYM in Cham profitieren mit Blick auf die nächste Saison vier LKZ-Spielerinnen davon.

Bereits seit vergangenem Sommer sind mit Charlotte Kähr, Joline Tschamper und Svenja Spieler drei Spielerinnen in diesem Programm – bisher unter dem Namen «Talents 3» integriert. Während Kähr mit dem sportlichen Wechsel nach Deutschland ausscheidet, kommen Rückraumspielerin Celia Heinzer und Torhüterin Jenny Abt neu dazu. Mit der Gründung der AG wird das Gefäss ebenfalls ausgebaut. Die Athletinnen kommen in den Genuss eines Gesamtpakets. So sollen sie sich sportbegleitend auch in der Ausbildung und/oder im Beruf weiterentwickeln können. Für den beruflichen Weg steht ihnen ein Leadership-Coach zur Verfügung.

Dass das Programm jetzt ausgegliedert wird, «haben wir bewusst so gewählt», erklärt Stefan Scheidegger, Verwaltungsratspräsident der Talent Impact AG. Denn damit soll einerseits der Weg der Professionalisierung noch fokussierter gegangen werden und andererseits will man das Projekt vom LK Zug entkoppeln. «Damit nehmen wir das finanzielle Risiko vom Verein.» (ep)

Geschäftsstelle

LK Zug Handball | Irene Spieler
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Fon +41 (0)41 780 42 66
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