SPL1: Mentale Stärke dank isländischer Hilfe

Ernesto Piazza
10 Dezember 2020
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Die Spielerinnen des LK Zug arbeiten künftig mit Johann Ingi Gunnarsson zusammen. Der 66-jährige Isländer hat von den Besten gelernt.

Wenn die Mechanismen ineinandergreifen, ist der LK Zug fähig, jeden nationalen Gegner zu schlagen. Dann hat es die Truppe drauf, Titel zu gewinnen. «Das ist auch ein Ziel», betont SPL1-Headcoach Christoph Sahli. Nur: Läuft es einmal nicht nach Wunsch, gelingt es der jungen, mit viel spielerischem Potenzial ausgestatteten Truppe oft nicht, den Hebel umzulegen. Oder anders formuliert: Noch fehlt es dem Team an der Konstanz, in entscheidenden Momenten an der nötigen Coolness.

Darüber hätte er sich schon öfters Gedanken gemacht, gesteht Sahli. Mit dem Ergebnis, dass der akribische Schaffer seinen Spielerinnen jetzt die Möglichkeit bietet, sich mental weiterzuentwickeln. Und dafür holt er nicht irgendjemanden ins Boot. Künftig wird Johann Ingi Gunnarsson individuell mit denjenigen arbeiten, die auf seine hohe Fachkompetenz zugreifen möchten.

Und der 66-jährige Isländer hat beim zweistündigen Online-Workshop, der als Kick-off gedacht war, schon Spuren hinterlassen. «Bereits haben sich viele Spielerinnen spontan entschieden, diesen Weg zu gehen», sagt Sahli.

Das beeindruckende Palmarès

Gunnarsson spielte bei Valur Reykjavik selber Handball und der Linkshänder schaffte es auch in die isländische Nationalmannschaft. Nach dem Abitur flog er als 21-Jähriger ins damalige Jugoslawien, um beim späteren Nationaltrainer Branislaw Prokajac zu hospitieren, um im Land des Olympiasiegers und Weltmeisters mehr über Handball und Handballtraining zu erfahren, als es in Island möglich war. «Ich wollte immer von den Besten lernen», sagt er zu seiner damaligen Motivation. Ein Credo, dem der 66-Jährige bisher treu geblieben ist.

In Island trainierte er unter anderem auch das Nationalteam. Weiter war er vier Jahre Headcoach beim THW Kiel, schlug dafür sogar das Angebot, als dänischer Nationaltrainer zu arbeiten, aus. Neben dem Trainerjob studierte Gunnarsson Psychologie. In der Deutschen Bundesliga wirke er auch bei TuSEM Essen, wo er unter anderem Alfred Gislasson, den späteren Erfolgscoach des THW Kiel und aktuellen deutschen Nationaltrainer, unter seinen Fittichen hatte. Als langjähriger Berater war GunnarJohann Ingi Gunnarssonsson eng mit der isländischen Nationalmannschaft verbunden und dort auch als Psychologe im Einsatz. Heute betreut der Mentaltrainer verschiedene Spitzenkräfte in Sport, Politik und Wirtschaft. Zudem ist er beim Europäischen Handballverband seit acht Jahren Mentalcoach der Schiedsrichter.

Ich möchte die Spielerinnen so weit bringen, dass sie den Druck lieben, ihn praktisch feiern.
Johann Ingi Gunnarsson

 

Sahli will ebenfalls «von den Besten lernen»

Zum Engagement von Gunnarsson sagt Sahli: «Ich versuche, meinen Spielerinnen einen speziellen Push zu geben.» Im Rahmen eines Open-Master-Coach-Moduls des Europäischen Handballverbandes 2014 hatte der LKZ-Headcoach in Dänemark einen Vortrag des Diplom-Psychologen besucht. «Ich war von ihm sofort begeistert.» Und da Sahli ebenfalls immer «von den Besten lernen will», rief er ihn in Reykjavik an. Und der Isländer erklärt: «Christoph hat mich überzeugt. Seine Ideen haben mir gut gefallen.» Der Zuger Teamchef erhofft sich durch die Zusammenarbeit mit dem Isländer, dass seine Spielerinnen künftig «noch selbstbewusster auftreten, dass sie bereit sind, wenn es wirklich zählt». Qualität ist zweifellos vorhanden. Das zeigt sich auch darin, dass der LK Zug beim Trainingslehrgang der Nationalmannschaft, der letzten Woche in Schaffhausen stattfand, mit fünf Spielerinnen den grössten Vereinsanteil stellte. Zudem weiss Sahli: «Der mentale Bereich ist beim heutigen Spitzensport – neben Technik, Taktik oder Physis – ein extrem wichtiger Teil des gesamten Pakets.»

Bereits bei der ersten Session über Zoom sei Ingi in seiner lockeren, auch von Humor geprägten Art auf die Spielerinnen zugegangen. «Man konnte seine Aura spüren.»

Gunnarsson will den LKZ-Spielerinnen vermitteln, wie sie «Stresssituationen erfolgreich meistern können». Zu Stress gehörten immer auch Emotionen, weiss er. Und hier würden Frauen anders als Männer reagieren. «Sie möchten alles möglichst perfekt machen, die Ansprüche an sich selbst sind hoch.» Diese Situationen lösen jeweils Stress aus. «Ich möchte die Spielerinnen so weit bringen, dass sie den Druck lieben, ihn praktisch feiern und bei allem Ehrgeiz und harter Arbeit noch Spass an der Sache verspüren.» Als Team müssten sie ein gemeinsames Ziel verfolgen, die Mannschaft soll ihre Rolle kennen.

Vorerst wirkt Gunnarsson aus der Distanz

Gunnarsson unterstützte auch den viele Jahre als österreichischer Nationaltrainer tätig gewesenen Patrekur Johannesson. Da war ebenfalls ein gewisser Viktor Szilagyi dabei. Der heutige Geschäftsführer beim THW Kiel war damals Denker, Lenker und Torschütze zugleich. Er habe ihm mal gesagt, erinnert sich der Diplom-Psychologe: «Schade, dass ich erst jetzt mit Mentaltraining in Kontakt komme. Das hätte ich viel früher lernen sollen.» Gunnarsson glaubt, dass junge Spielerinnen sehr wohl verstehen, mental an sich zu arbeiten. Daher möchte er ihnen bei ihren unterschiedlichen Bedürfnissen vor allem Werkzeuge, Ideen mitgeben. Dies können sie auch ins Leben abseits des Sports umsetzen.»

Vorerst werden die Sessions beim LK Zug jedoch wie erwähnt über Zoom geführt. «Sobald es die coronabedingte Situation aber zulässt, wird Ingi für ein Weekend in die Schweiz kommen», verrät Sahli. «Seine Arbeit wird uns wieder einen wichtigen Schritt vorwärtsbringen», ist er überzeugt.

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