Sibylle Scherer: Die Handballerin des LK Zug hält einen Rekord

Ernesto Piazza | Luzerner Zeitung
24 September 2020
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Die Handballerin Sibylle Scherer wollte beim LK Zug aufhören – jetzt hat sie mit 1583 Toren einen neuen Rekord aufgestellt.

Sie produziert Tore fast am Laufmeter beim LK Zug. Doch den Fokus setzt Handballerin Sibylle Scherer anderswo: Sie will das Team in den Vordergrund stellen und den Jungen mit ihrer Erfahrung helfen. LKZ-Trainer Christoph Sahli unterbricht, korrigiert – und lässt das Spielelement erneut laufen. Diese Automatismen seien wichtig, wird er hinterher sagen. Und die 28-jährige Sibylle Scherer ist im Konzept des Cheftrainers nach wie vor ein wichtiges Puzzleteil. Mittlerweile in ihrer 12. SPL1-Saison im Dress des LK Zug auflaufend, hat sie jüngst auch den bisher auf 1583 Toren stehenden Rekord auf höchster Schweizer-Frauenstufe gebrochen.

2021 record sibylle portrait

Bilder: Eveline Beerkircher (Zug, 23. September 2020)

Dabei hatte die Shooterin auf Ende der letzten, wegen Corona vorzeitig zu Ende gegangenen Saison eigentlich den Rücktritt bekannt gegeben. Sie wollte, wie die beiden langjährigen LKZ-Teamstützinnen Laura Innes und Jacqueline Hasler-Petrig übrigens auch, einen Schlussstrich unter eine erfolgreiche Handballkarriere ziehen.

«Der Entscheid war für mich wie ein Schlag»

Doch dieser vorzeitige Abbruch, sich daher nicht wirklich verabschieden zu können, hinterliess bei Sibylle Scherer tiefe Spuren. «Der Entscheid war für mich wie ein Schlag in die Magengrube», erzählt sie.

«Ich stand sehr abrupt vor dem Nichts,
konnte es nicht fassen,
so aufhören zu müssen.»

Dabei hatte sie sich so sehr auf den Abschluss gefreut.

Entsprechend schlimm war die erste Lockdown-Phase für die Handballerin, welche dieser Sportart jahrelang vieles untergeordnet hatte. Jahrelang lebte sie in einem eng getakteten Tagesablauf, stets aber wissend, dass «ich ein Hobby ausüben darf, das mir viel Spass macht». Ein Pluspunkt dabei ist sicherlich auch, dass ihr Freund Silvan Häfliger beim LKZ als Trainer ebenfalls viel Zeit in der Halle verbringt und Handball dadurch privat seinen Platz einnimmt.

Nach dem ersten Schock des abrupten Saison- ja sogar Karriereendes, stellten ihr Personen im Verein aber schon bald die Frage, ob sie so aufhören könne. Und so ist Sibylle Scherer wieder zurück in der Halle, auf dem Spielfeld, im Leibchen der LKZ-Topskorerin. «Ich kann schlecht Nein sagen», erklärt sie mit einem Schmunzeln. Zudem sind ihr in all den Jahren die Menschen im Verein ans Herz gewachsen. «Das Ganze fühlt sich an wie eine grosse, stimmige Familie», erklärt die Primarlehrerin.

Dass Sibylle Scherer jetzt diesen Rekord geschafft hat, sei natürlich lässig, erklärt sie. Dennoch will sie das Erreichte nicht zu hoch hängen. Rückblickend bekomme das Ereignis vielleicht noch einen anderen Stellenwert. Ihr sei auch lange nicht bewusst gewesen, in dieser Statistik so weit vorne zu liegen. Es waren vielmehr ihre Mitspielerinnen und der Trainerstaff, die dem anstehenden Ereignis Beachtung schenkten. Bei der Matchansprache vor dem Ami-Spiel wies Trainer Sahli ebenfalls darauf hin. Dort knackte Sibylle Scherer in der 21. Minute mit ihrem damals dritten Treffer schliesslich die historische Marke. Und wenn man mit Sibylle Scherer so spricht, fällt schnell auf: Im Rampenlicht stehen ist keineswegs ihr Ding. Viel wohler fühlt sich die Teamplayerin in der Rolle ein Puzzleteil eines funktionierenden Ganzen zu sein. Daher überrascht auch wenig, wenn sie sagt:

«Einen Einzelsport auf dem
Niveau könnte ich nie betreiben.»

Von der Shooterin zur Führungsspielerin

Apropos Rolle: Diese hat sich bei der 28-Jährigen in den letzten Jahren etwas verändert. War sie früher die LKZ-Shooterin schlechthin und mit ihrer Präsenz auch Führungsspielerin, geht sie heute zwar noch immer mit einem klaren Plan aufs Feld, versucht aber auch den Jungen mit ihrer immensen Erfahrung zu helfen und immer wieder Verantwortung zu übernehmen – nicht nur als Siebenmeter-Schützin. Dass sie jetzt als Rechtshänderin vor allem auf Rückraum rechts zum Einsatz kommt, sei zwar etwas gewöhnungsbedürftig gewesen.

Bei ihr brennt das Feuer nach wie vor Stark

Nicht wirklich neu ist ihr Wechsel Angriff/Verteidigung. «Deckung war nie meine Stärke», sagt sie. Dazu erklärt Sahli: «Sibylle hat ihre Vorzüge klar im Angriff. Dafür wollen wir ihre Energie sparen». Das schliesse ihre Abwehrarbeit – gerade im Innenblock – aber nicht grundsätzlich aus. Und Sahli hofft insgeheim, dass es nicht ihre letzte Saison sein wird. «Bei ihr brennt das Feuer nach wie vor stark.» Er schätzt sie als gewissenhafte, intelligente, hilfsbereite und demütige Person. «Und wenn sie etwas übermüdet ist, ist sie auch sehr lustig», schmunzelt der LKZ-Headcoach.

47 A-Länderspiele hat Sibylle Scherer ebenfalls absolviert und dabei 138 Tore geworfen. Diese Ära ist jedoch vorbei. Das Ende sei zwar abrupt gekommen und habe ihr auch zu schaffen gemacht, erinnert sie sich etwas ungern an diese Zeit zurück. «Ich wurde einfach nicht mehr aufgeboten.» Möglichst lange noch nicht fertig, soll hingegen die laufende Saison sein. «Wir haben eine gute Mischung und ein breites Kader. Wir sind reif für einen Titel», formuliert sie klar und deutlich ihr nächstes sportliches Ziel. Und in ihren Worten schwingt viel Überzeugung mit.

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